Kritische Prozessbeobachtung zum Nazi-Überfall auf Connewitz gestartet. Auf www.prozess1101.org werden die Verhandlungen gegen die Täter vom 11.01.2016 dokumentiert.

Leipzig, den 17.08.2018

Mit Pyrotechnik, Messern, Äxten und Totschlägern bewaffnet, zogen am 11. Januar 2016 mehr als 200 Neonazis und rechte Hooligans durch den Leipziger Stadtteil Connewitz. Sie verletzten mehrere Passant_innen, schlugen Schaufenster ein und zerstörten einen Imbiss mit einer Kugelbombe. Connewitz gilt als linker Kiez, ist deswegen bei Neonazis und anderen Rechten besonders verhasst.

Am gestrigen Donnerstag begann am Amtsgericht Leipzig die juristische Aufarbeitung dieses Neonazi-Überfalls. Zur kontinuierlichen Dokumentation der mehr als einhundert Prozesse in Leipzig, Torgau, Eilenburg und Grimma hat sich eine ehrenamtliche Gruppe zur Prozessbeobachtung zusammengefunden. Auf der Internetseite www.prozess1101.org werden die Verhandlungen gegen die derzeit 202 Angeklagten dokumentiert und ausgewertet.

„Angesichts der Prozesslawine besteht die Gefahr, dass wichtige Erkenntnisse über die Täter untergehen oder schnell in Vergessenheit geraten“, sagt Alex Berg, Sprecher_in von „prozess1101“. „Mit der Dokumentation stellen wir der Öffentlichkeit eine Ressource zur langfristigen, kritischen Begleitung der Prozesse zur Verfügung.“

Zur Motivation der Gruppe führt Berg weiter aus: „Wir wollen der Deutung entgegenwirken, dass es sich bei dem Angriff um eine unpolitische Hooligan-Aktion gehandelt hat. Im Vorfeld hielt es die Staatsanwaltschaft nicht für nötig, ein Strukturermittlungsverfahren anzustreben. Viele Details, etwa welche Strukturen hinter dem Angriff stehen, sind deshalb weiterhin nicht geklärt.“

Die Prozessdokumentation ist selbstorganisiert und kann durch Spenden unterstützt werden.

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